Schädlinge in der Mietwohnung: Wer zahlt – Mieter, Vermieter oder Versicherung?
Wer zahlt den Kammerjäger in der Mietwohnung? Was das Obligationenrecht sagt, wann Mieter selbst zahlen und wie Sie einen Befall richtig melden.
Kammerjäger-Kosten in der Schweiz: veröffentlichte Stundenansätze, Fahr- und Notfallpauschalen von Fachfirmen, Preise je Schädling und Warnzeichen für Abzocke.
Veröffentlichte Stundenansätze von Schweizer Fachfirmen liegen bei CHF 128.– bis 160.– pro Fachperson plus Anfahrt, meist ohne Mehrwertsteuer; für ein Wespennest nennen Fachfirmen Pauschalen von CHF 200.– bis 300.–, Feuerwehren ab CHF 150.– (Stand Oktober 2026). Genauer lässt sich «Was kostet ein Kammerjäger?» nicht mit einer Zahl beantworten – eine offizielle Preisliste gibt es in der Schweiz nicht, und der Aufwand für ein Wespennest und für Bettwanzen in einem Mehrfamilienhaus liegt weit auseinander. Viele Fachfirmen legen ihre Ansätze aber in den Geschäftsbedingungen offen. Dieser Ratgeber stellt die veröffentlichten Stundenansätze, Fahrpauschalen und Zuschläge von Schweizer Fachbetrieben zusammen (Stand Oktober 2026), zeigt, was je nach Schädling dazukommt, und nennt die Warnzeichen für überhöhte Rechnungen. Die zitierten Firmen sind Beispiele, keine Empfehlung.
Die meisten Fachfirmen verrechnen ihre Arbeit nach Zeitaufwand. Dazu kommen eine Fahrzeug- oder Anfahrtspauschale, das Material und bei Einsätzen ausserhalb der Bürozeiten Zuschläge. Für Standardeinsätze wie ein Wespennest nennen viele eine feste Pauschale. Bei Betrieben, die regelmässig kontrolliert werden müssen, sind Jahresverträge für das Monitoring üblich.
Veröffentlichte Stundenansätze für eine Fachperson:
| Firma (Sitz) | Stundenansatz | Bemerkung |
|---|---|---|
| Kistler & Stettler (Hemishofen SH) | CHF 128.– | Fahrweg zählt zur Arbeitszeit |
| Antex Schädlingsbekämpfung (Dietikon ZH) | CHF 140.– | Geschäftsleitung CHF 170.–, zuzüglich MWST |
| Insekta Schädlingstechnik (Wangen-Brüttisellen ZH) | CHF 145.– | Geschäftsleitung CHF 185.–, Fahrweg zählt zur Arbeitszeit, zuzüglich MWST |
| Hugener Pest Control (Müllheim TG) | CHF 2.55 pro Minute | entspricht CHF 153.– pro Stunde, ohne MWST |
| ABC Schädlingsbekämpfung (Ingenbohl SZ) | CHF 160.– | Bau-Techniker CHF 125.–, ohne MWST |
Die Ansätze unterscheiden sich weniger als die Nebenposten. Ob die Fahrzeit als Arbeitszeit zählt, wie hoch die Fahrpauschale ist und ob eine Grundpauschale anfällt, macht bei kurzen Einsätzen oft mehr aus als der Stundenansatz selbst.
Die Fahrkosten sind je nach Firma sehr unterschiedlich geregelt:
Ein Rechenbeispiel zeigt die Grössenordnung: Eine Stunde Arbeit bei Antex mit Fahrzeugpauschale im Zweigstellenkanton ergibt CHF 205.– plus Mehrwertsteuer, bevor Material oder Zuschläge dazukommen. Dauert der Einsatz länger oder braucht es eine Nachkontrolle, wächst der Betrag entsprechend.
Wer sofort jemanden braucht, zahlt mehr. Die Geschäftsbedingungen nennen:
Nicht jeder Befall ist ein Notfall. Ein Wespennest, das niemanden gefährdet, oder Mäuse im Keller können meist bis zum nächsten Werktag warten. Ein Termin während der Bürozeiten spart dann den Zuschlag.
Wespen und Hornissen. Der günstigste Einsatz, weil er sich pauschal fassen lässt. BUGXIT nennt 260 Franken plus Anfahrt für ein normal zugängliches Nest, Wesptec 300 Franken inklusive Anfahrt in der Region Basel, Sauvain Désinfection im Jura 200 Franken auf Mannshöhe und 300 Franken mit Leiter oder Teleskopstange (ohne Mehrwertsteuer, zuzüglich Anfahrt). Feuerwehren, die Nester entfernen, verlangen ähnliche Pauschalen: die Feuerwehr Unteramt CHF 180.– inklusive Mehrwertsteuer (Gemeindeseite mit Stand April 2023), die Feuerwehr Samedan-Pontresina CHF 150.– bis 400.–. Mehr auf der Seite Wespennest entfernen lassen.
Ratten und Mäuse. Nager brauchen laut BUGXIT zwei Termine, weil eine Nachkontrolle nötig ist, die als eigener Termin verrechnet wird. Kostentreiber sind die Zahl der Köderstationen und bauliche Abdichtungen. Siehe Rattenbekämpfung und Mäuse im Haus bekämpfen lassen.
Bettwanzen. Der aufwendigste Fall, besonders in Mehrfamilienhäusern, wo mehrere Wohnungen kontrolliert werden müssen. SRF Kassensturz Espresso schrieb 2020, die Bekämpfung koste pro Zimmer schnell 1500 Franken oder mehr; in einem 2026 dokumentierten Fall löste ein Mitglied des Verbands Schweizerischer Schädlingsbekämpfer das Problem für 1200 Franken. Methoden und Ablauf: Bettwanzen bekämpfen lassen.
Schaben, Ameisen, Silberfischchen. Meist pauschal pro Wohnung mit mehreren Kontrollbesuchen; teurer wird es, wenn das ganze Haus behandelt werden muss. Siehe Schaben und Kakerlaken bekämpfen lassen und Silber- und Papierfischchen bekämpfen lassen.
Holzwurm und Hausbock. Hier entsteht der grösste Teil der Kosten oft beim Ersatz befallener Bauteile. Die Stadt Zürich warnt vor Firmen, die bei einer kostenlosen Dachstockkontrolle einen Befall «finden» und vor Ort Verträge über oft mehrere tausend Franken abschliessen; später stellt sich heraus, dass keine Behandlung nötig war. Selbst ein starker Hausbockbefall bringt einen Dachstock nicht innert Monaten zum Einsturz – holen Sie eine zweite Meinung ein. Siehe Holzwurm bekämpfen lassen.
Schriftliche Offerten erstellen viele Firmen kostenlos. Insekta etwa stellt standardmässig eine kostenlose Pauschalofferte aus und verlangt für eine detaillierte Offerte CHF 120.–. Eine Besichtigung vor Ort kann dagegen kosten: Köring verrechnet Inspektionen pauschal mit CHF 150.– bis 300.– und rechnet sie bei Auftragserteilung an, ABC verlangt für einen Kostenvoranschlag vor Ort CHF 250.– (bis 60 Minuten); bei Auftragserteilung fällt keine zusätzliche Grundpauschale an. Einige Firmen bestimmen Schädlinge anhand eines Fotos kostenlos. Nicht jedes Tier im Haus ist ein Schädling, der bekämpft werden muss – wo Sie Tiere gratis bestimmen lassen können, steht im Ratgeber Ungeziefer bestimmen.
Im April 2026 dokumentierte SRF Kassensturz den Fall einer Frau, die wegen Bettwanzen notfallmässig eine Firma rief. Am Telefon war ein Höchstpreis von 3000 Franken genannt worden, vor Ort verlangte der Mitarbeiter wegen Notfall und später Uhrzeit rund 7200 Franken. Bezahlt hat sie 6000 Franken, die Wanzen blieben. Beseitigt wurden sie schliesslich von einer anderen Firma für 1200 Franken. Daraus lassen sich einige Regeln ableiten:
Im eigenen Haus zahlen Sie selbst, sofern keine Versicherung einspringt. In der Mietwohnung ist ein Befall grundsätzlich ein Mangel, den die Vermieterschaft beheben und bezahlen muss – mit Ausnahmen für kleine Fälle und selbst eingeschleppte Schädlinge. Wichtig: Wer die Firma beauftragt, schuldet ihr laut Stadt Zürich auch die Rechnung. Die Einzelheiten erklärt unser Ratgeber Schädlinge in der Mietwohnung: Wer zahlt?.
Fachbetriebe nach Region und Schädling, mit Angaben zu Fachbewilligung und Verbandsmitgliedschaft, finden Sie im Verzeichnis.